Märchenwald auf dem Gnitz
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Usedom
Die Peenebrücke ist viel kürzer als in unserer Erinnerung.
Nach der Brücke nördlich am Peenestrom entlang.
In Zecherin war ich schon einmal vor zwanzig Jahren, ein Ortstermin am Hafen. Ich weiß noch, dass ich den Ort mit dem anderen Zecherin im Süden der Insel verwechselt hatte. Als ich dort, im anderen Zecherin, angekommen war, irrte ich zwischen den Häusern umher und suchte vergeblich nach einem Hafen. Im Auto schaute ich mir die Flurkarte aus der Akte an, es dauerte eine Weile, bis ich begriffen hatte, dass ich vierzig Kilometer vom richtigen Zecherin entfernt war. Den Rest des Verfahrens habe ich vergessen. Jetzt stehe ich hier, aber es fällt mir trotzdem nicht wieder ein.
Es scheint wirklich etwas übertrieben, einen Ortsnamen auf einer Insel doppelt zu vergeben, aber vielleicht wussten die Leute damals nicht voneinander.
Die Kühe auf der Wiese vor Karlshagen schauen uns interessiert an, als würden sie sich über die Abwechslung freuen. Freuen ist möglicherweise übertrieben, Kühe sind Stoiker mit einem gleichmäßigen Tagesablauf.
Wir fahren durch den Ort auf die Ostseeseite und durch den Wald nach Trassenheide. Wir sind fast allein, alle Urlauber sind vor ein paar Tagen abgereist. Das Meer ist still, es geht kaum Wind. Hinter der Kurklinik sind plötzlich Menschen zu sehen, sie sind unterwegs nach Zinnowitz an diesem Nachmittag, so wie wir.
Wir loggen endlich die dritte Wolgaster Bahnstation: Wolgaster Fähre. Zuletzt waren wir hier vor zweieinhalb Jahren.
Tiere am Wegesrand: Rehe, Hunde, Enten, Gänse, Hühner, Kühe, Bullen, Schafe, Katzen, Bienen, Adler. Tierspuren am Wegesrand: Wildschweine.
Zwischen Sauzin und Neeberg vollständige Stille. Unten liegt das Achterwasser, über uns der weite pommersche Himmel.
Heute ist Bettenwechsel, Abreisetag. Beherbergungsverbot hin oder her, die Insel ist voller Menschen. Polen ist ab morgen Risikogebiet, also müssen außerdem alle deutschen Urlauber gleichzeitig Swinemünde räumen. Ab Neeberg kommen uns ununterbrochen Autos entgegen, denen ihr Navigationsgerät geraten hat, den Stau vor Wolgast über die Landstraße zu umfahren. Sogar auf dem alten Plattenweg zwischen Krummin und dem Gnitz ist Autoverkehr. Aber am Ende müssen doch alle über dieselbe Brücke fahren. Auf der Rückfahrt sehen wir die kilometerlange Schlange aus dem Zugfenster. Der Stau schafft es in die Nachrichten.
Ein ungewöhnliches Geräusch über unseren Köpfen. Als wir nach oben gucken, sehen wir ein Passagierflugzeug. Der Flughafen in Heringsdorf hat vier Starts in der Woche, alle am Samstag, wahrscheinlich wollen sie es den Planespottern einfacher machen.
[Gnitz III]