„Am Wochenende machen Sie bitte keinen Schritt vor die Tür“, sagte der Kardiologe zu mir. „Das sage ich heute allen Patienten.“ Ich habe also Hausarrest. So etwas gab es nicht einmal während der Pandemie. Nicht, dass ich diese Ansprache besonders gebraucht hätte – ich wäre ohnehin nicht aus dem Haus gegangen. Ich bin ein guter Patient.
Ich denke an den kurdischen Dolmetscher, der mir von dem Sommer in Bagdad erzählte, als es 40 Grad waren. An ihrem Haus gingen Reisende aus Basra vorbei, die wegen der Hitze in die Hauptstadt gefahren waren. „Hier ist es so schön kühl“, sagten sie. „In Basra hatten wir 50 Grad im Schatten.“ Er erzählte diese Geschichte gern und lachte dabei: „Stellen Sie sich das mal vor”, sagte er. „Ich sitze vor unserem Haus und schwitze, und die Leute aus dem Süden finden das kühl.“ Natürlich wurden sie hereingebeten und waren Gäste der Familie. Die irakischen Häuser sind gegen die Hitze gebaut.
Am Sonnabendnachmittag meldet meine Wetter-App 40 Grad Celsius. Ich schaue nicht nach, ob jemand am Haus vorbeigeht. Die Leute wissen, was sie tun.
„Früher war es im Sommer auch schon warm”, sagt der Mann im Umkleideraum, als ich einen Smalltalk über das Wetter beginne. „Die Leute meckern doch immer. Im Winter ist es ihnen zu kalt und im Sommer zu heiß.“ Ich bin mir nicht sicher, ob er das alles ironisch meint, und wechsle das Thema.
Die Nächte sind am schlimmsten. Wir brauchen eine Klimaanlage im Haus. Das ist erst der Anfang.