Ihr Bohrkopf drehte sich zu mir.
»Henry, dein Körper besteht aus 6 mal 10²⁷ Atomen. Jedes von ihnen existiert seit Milliarden von Jahren. Die Wasserteilchen, aus denen du zu 68 Prozent bestehst und die du hierher mitgebracht hast, sind älter als die Erde und sehr viel älter als Perm. Alles Wasser, das du beim Trinken achtlos in dich hineinschüttest und das eine Zeit lang ein Teil von dir wird, hat Weltraumreisen hinter sich, die du dir nicht einmal im Ansatz vorstellen kannst. Der Kohlenstoff, der deine organische Materie bildet, kommt aus explodierten Sternen. Auch er ist Milliarden Jahre alt. Du bist nicht mehr als ein Wimpernschlag in der unfassbar langen Geschichte eines jeden Teilchens, das sich erbarmt hat, vorübergehend ein Teil von dir zu werden.«
»Schon klar«, sagte ich.

— Nils Westerboer: Lyneham

Ob ein Skatturnier gelungen war oder nicht, entscheidet sich häufig in einem einzigen Spiel. Bei meinem letzten Skatabend hatte ich wieder so eins. Kein Preis für mich.

Das sind meine zwölf Karten nach Skataufnahme in Mittelhand. Was drücken, was spielen? Da ich kein einfaches Farbspiel erkennen konnte, entschied ich mich dafür, die beiden Herzkarten in den Skat zu legen und einen Grand anzusagen — mit dem klaren Plan, auf Karo und Kreuz jeweils maximal 28 Augen abzugeben und die restlichen sechs Stiche selbst zu machen. Das Spiel nahm folgenden Verlauf:

1. Karo-Ass, Karo-Sieben, Karo-Zehn = 21 Augen
2. Karo-König, Karo-Neun, Karo-Acht = 25 Augen
3. Karo-Dame, Einstich Karo-Bube, Überstich Pik-Bube = 32 Augen
4. Kreuz-Ass, Kreuz-Zehn, Kreuz-Sieben = 53 Augen
5. Kreuz-König, Kreuz-Dame, Kreuz-Acht = 60 Augen

Da musste schon eine Menge passieren, um dieses Spiel auf diese Weise abzugeben. Hinterher habe ich lange darüber nachgedacht, ob ich im dritten Stich auf die Karo-Dame eine Kreuz-Lusche hätte abwerfen sollen. Aber auch dann kann ich verlieren, und so bestand immerhin die Möglichkeit, dass der Pik-Bube nicht bei Hinterhand war. Überhaupt habe ich noch lange über dieses Spiel nachgedacht. Das ist so ein Ding von mir.

On a cold December evening
I was walking through the Christmas tide
When a stranger came up and asked me
If I’d heard John Lennon had died

Paul Simon ist ein Zeitreisender, ein Botschafter aus der Vergangenheit, ein kleiner Junge aus Queens, der seit 70 Jahren Musik macht. Bei seinem Konzert in Berlin durfte nicht fotografiert und gefilmt werden, was sehr angenehm war. Auf einmal konnten alle die Bühne sehen, anstatt die hochgereckten Bildschirme aus den Reihen vor ihnen. Auf einmal hörten alle den Songs zu. Insgesamt standen zwölf Menschen vor uns, die mit der Sicherheit von Schlafwandlern eine warme und tröstende Musik in den Saal ausgossen. Nicht viele Noten, aber jede Note war am richtigen Ort. Allen war klar, dass sich hier jemand verabschieden wollte.