Klagefall

Aniara ist ein schwedischer Science-Fiction-Film mit einem bekannten Thema. Die Menschen müssen die Erde verlassen und siedeln massenhaft auf den Mars um, mit einem Raumschiff, das wie eine Kreuzung aus Hotel und Einkaufszentrum aussieht, wie ein Kreuzfahrtschiff also. Unterwegs passiert ein Unglück, in dessen Folge das Schiff antriebslos in das All hinaustreibt. Sehr bleich, sehr dunkel, sehr ausweglos. Die Geschichte entgeht der Verlockung, eine Rettung zu zeigen. Ich war beeindruckt und geriet beim Nachlesen direkt in ein Rabbit Hole. Der Film entstand nach einem Versepos von Harry Martinson aus dem Jahr 1956. Das Werk gehört zum Kanon der skandinavischen Kultur und ist an mir bisher völlig vorbeigegangen. Kommt demnächst mit der Post.

Im Theater

Auf dem Weg zum Theater fiel mir ein, dass ich meine Maske nicht dabei hatte. Ich habe inzwischen erlernte Gewohnheiten mit den Masken. Sie haben ihren festen Platz, so wie mein Schlüssel und meine Brille. Jeden Morgen hole ich eine frische OP-Maske aus der 100er-Schachtel und packe sie in eine Seitentasche meines Rucksacks. Im Rucksack sind außerdem die Wasserflasche, das Portomonnaie und das Notfallspray. Die alte Maske werfe ich anschließend in den Mülleimer, dann kann ich das Haus verlassen. Ich habe alles dabei, was ich brauche.

Ich hatte den Rucksack aber nicht mit. Die Garderobe im Theater ist wegen der aktuellen Situation nicht besetzt und den Rucksack mit in den Zuschauerraum zu nehmen, erschien mir unpassend. Ich fuhr also ohne Rucksack zum Theater und ging in Gedanken die Abläufe durch: Fahrrad anschließen, Maske aufsetzen, zur Kasse gehen und dann fiel mir ein, dass ich meine Maske nicht dabei hatte. Ich kehrte um, holte eine frische Maske (die zweite des Tages, im Theater muss man schließlich ordentlich aussehen), steckte sie in die Hosentasche und fuhr wieder los.

In Gedanken setzte ich die Situation fort: die Karte an der Kasse abholen, durch das Foyer gehen, die Karte vorzeigen, den Impfausweis präsentieren und zum Platz gehen (hoffentlich nicht in der ersten Reihe, manchmal sprechen die Schauspieler das Publikum direkt an oder klettern von der Bühne und das habe ich nicht so gern) und dann fiel mir ein, dass ich meinen Impfausweis nicht dabei hatte. Ich kehrte nochmal um, etwa an derselben Stelle wie beim ersten Mal, und holte auch noch meinen Impfausweis.

Der Rest funktionierte gut. Ich fand eine Stelle für das Fahrrad, es gab trotz der beschränkten Auslastung des Zuschauerraums noch Karten, alle waren getestet, geimpft oder genesen und zeigten ihre Atteste vor und als das Licht ausging, setzte ich heimlich meine Maske ab. Es war angenehm kühl, der Saal war nur zu einem Viertel gefüllt und die raumlufttechnische Zu- und Abluftanlage brummte. Alle Schauspieler blieben auf der Bühne.

Bilanzen, Budgets

Das ist die CO2-Bilanz aus meinen bisherigen Flugreisen:

Berlin – Moskau = 0,23 Tonnen
Berlin – München – Kapstadt = 1,34 Tonnen
Kapstadt – München – Berlin = 1,34 Tonnen
Hamburg – Santa Cruz de La Palma = 0,50 Tonnen
Santa Cruz de La Palma – Hamburg = 0,50 Tonnen
Rostock – Stuttgart = 0,09 Tonnen
Stuttgart – Rostock = 0,09 Tonnen
Hamburg – Santa Cruz de La Palma = 0,50 Tonnen
Santa Cruz de La Palma – Hamburg = 0,50 Tonnen
Berlin – Oslo = 0,12 Tonnen
Oslo – Berlin = 0,12 Tonnen

Moskau war eine Klassenfahrt (für den Rückweg haben wir den Zug benutzt). In Kapstadt besuchten wir Familie. In Stuttgart und Oslo waren Schachturniere (naja). La Palma war sehr schön. Nach La Palma würde ich gern nochmal fliegen.

Insgesamt sind das 5,33 Tonnen. Das jährliche Budget eines Menschen soll bei 1,50 Tonnen liegen. Wenn das stimmt, haben meine Flüge fast vier Jahresbudgets verbraucht.

Und das ist noch nichts gegen das Auto. Ich hatte 16 Jahre lang ein Auto. Nicht viel gefahren, 130.000 Kilometer. Das sind bei 7 Litern Benzin auf 100 Kilometer insgesamt 21,57 Tonnen Kohlendioxid, also über 14 Jahresbudgets.

Ich glaube, die Sache mit dem Klimawandel wird schwierig.

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