Schlagwort: Musik

Die Alsterdorfer Sporthalle hat eine grausame Akustik, aber das machte nichts. The Bad Seeds waren da und ein Konzert mit Nick Cave muss man sich wie einen entrückten Gottesdienst vorstellen: ein charismatischer Prediger, der zu seiner Gemeinde spricht, der hunderte Hände greift und festhält, der sich berühren lässt (Can you feel my heart beat?), der sich um die Kranken kümmert, der auf dem Wasser geht, der mit dem ganzen Saal singt, der vor Schmerzen schreit. Er konnte das unmöglich alles ernst meinen, aber manches wahrscheinlich schon und in dem Moment spielte das auch keine Rolle mehr.

Mit einem Kollegen zu Ryan Adams ins Tempodrom. Kannte ich kaum, war aber kein Problem. Wenn es ein richtiger Musiker ist, kann man auch unvorbereitet hingehen und einfach zuhören, der Rest ergibt sich schon von selbst. Kann singen und Gitarre spielen. Ist ein richtiger Musiker.

Auf den letzten Metern hat mich der Winter eingeholt. Am Dienstag in einer zugigen Bar Mittag gegessen, abends Kratzen im Hals, Mittwochmittag ins Bett, Donnerstag zum Arzt und heute morgen die Fahrt zum Konzert in Berlin abgesagt, weil es immer nur schlechter wurde anstatt besser. Als Kind mochte ich es, krank zu Hause zu sein. Keine Schule, ein Radio im Bett und genug Bücher. Inzwischen ist es anders, vielleicht weil ich nicht mehr diesen unendlichen Berg Lebenszeit vor mir haben wie mit zehn Jahren oder so.

Gerade spielt Leif Vollebekk im Lido in Kreuzberg. Da wollte ich mit E. und S. sein, so wie vor drei Jahren.

Immerhin versuche ich ein paar Rückstände aufzuholen und arbeite mich durch Perry Rhodan und Sneaky Pete, solange mich die Kopfschmerzen lassen.

Morgen gehe ich nochmal zum Arzt. Hoffentlich kein viraler Infekt, sondern etwas, wogegen Antibiotika helfen. Keine Lust auf Kranksein.

I’m just gonna I’m just gonna close my eyes / Rest is as good as sleep