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Das ist eine schwierige Frage, um die ich mich immer herumgedrückt habe. Die Antwort ist wahrscheinlich: Ich kenne Dylan nicht. Ich kenne ihn nur ein bisschen.

Im anderen Land, als Kind, hatte ich Kassetten, vom Radio aufgenommen, alles mögliche und ab und zu höre ich irgendwo einen Song und dann denke ich, den kenne ich von den Kassetten, und es ist von Dylan, aber ich wusste nicht, dass es Dylan ist.

Ich verschenke Dylan-Platten an liebe Menschen aus der nächsten Generation, so als ob ich die Fackel weitergeben würde, aber selbst habe ich tatsächlich nur eine einzige: Highway 61 Revisited (die ganz großartig ist). Hauptsächlich deshalb, weil es in der kleinen Stadt nur einen einzigen Plattenladen gibt und dort ist das Fach von Dylan gähnend leer, weil wahrscheinlich immer alles gleich weggekauft wird oder weil niemand Dylan-Platten weggibt oder beides. Alles, was ich von ihm kenne, gefällt mir, aber das ist zugleich das Problem: Der Kerl ist schrecklich produktiv und lebendig, so dass ich wirklich sehr lange brauchen würde, das alles anzuhören und kennenzulernen und das ist schließlich das, was man macht, wenn einem etwas sehr gefällt.

Also habe ich mir gedacht, damit werde ich anfangen, wenn ich 60 bin. Das ist das richtige Alter dafür. Im letzten Jahr hatte ich erstmal das starke Bedürfnis, jetzt alles von den Beatles zu hören und von Lennon und Harrison und die Hälfte von McCartney und vier, fünf Platten von Ringo, bevor ich dazu nicht mehr komme. Und damit bin ich noch nicht ganz fertig und dass Lennon tot ist, habe ich bis heute nicht verwunden. Bei Harrison ist es anders, der konnte seine Sachen zu einem Ende bringen, aber Lennon konnte das nicht. Der hatte gerade wieder angefangen, Starting Over.

Aber Dylan kommt auch noch, versprochen.

– Kommentar zu Samojede

Ich habe noch nie im Ausland gelebt. Kein Austauschjahr, kein Backpacking, kein Work and Travel, kein Auslandssemester, keine Aufbauhilfe in Moldawien, keine UN-Mission, keine Niederlassung in Singapur, kein Sabbatjahr im Outback, keine Elternzeit in Kanada, keine bilinguale Erziehung, keine Immersion, noch nicht mal ein Sprachkurs. Die Stadt nie länger als drei Wochen verlassen und seit drei Monaten gar nicht mehr, eigentlich seit acht, wenn ich Trassenheide nicht mitrechne.

Wie muss es sein, aus einem anderen Land zurückzukommen? Ich mache mir keine Vorstellung davon.

– Kommentar zu kopfzeiler.org

Zeit vorbei für das lose Online-Notat. Es bräuchte jetzt irgendeine analoge Zeitschrift, in ihrem bizarren Bias aus teurer Produktion und billigem Papier, eine gewisse Experimentalität, eine gewisse Neugier, eine gewisse verwirklichte Unmöglichkeit auf zerknickten Seiten.

Die Brüder Goncourt haben sich mit einem großartigen Eintrag On Blogging selbst auf die gedankliche Abonnentenliste gesetzt.