Wenn ich darüber nachdenke, was mich am Fußball faszinierte, war es nicht das Spiel selbst. Das Spiel ist vergleichsweise kurz, nicht besonders komplex und nur selten spannend oder schön. Faszinierend war, was neben dem Spiel passierte: die Erwartung, die Vorbereitung, die Fahrt zum Stadion, der Platz, die Stufen, die Tribüne, das Singen, die anderen Zuschauer, das Geschrei, die Erleichterung danach oder die Verzweiflung und die Fahrt zurück, die Nachbesprechung. Allmählich entstand die Erkenntnis, dass es auf Dauer nicht gesund für mich ist, meine Stimmung an das Abschneiden einer Fußballmannschaft zu binden, auf die mich Herkunft, Wohnort oder plötzliche Liebe geworfen hatten. Seitdem geht es besser. Es muss so etwas wie Freundschaft sein oder Sympathie oder Interesse, und nicht bedingungslose Treue.

– Kommentar zu Libralop Hulot

In einem Juni

Als wir nach Gahlkow fuhren, musste ich plötzlich an Sommersonnenwende denken, an Mittsommer, an die kürzeste Nacht des Jahres. Wir saßen am Strand, um ein Feuer herum, ich weiß nicht mehr genau, und warteten darauf, dass die Sonne endlich aufging. Auf der Rückfahrt kletterte M. erst auf die Motorhaube und dann auf das Dach des kleines Autos und wir fuhren ganz vorsichtig die schmale Allee hinunter bis hin zur großen Straße, währenddessen es zwischen den Bäumen langsam heller wurde.

Lubmin

Der Blick die Wiesen hinunter über die Dänische Wiek hinüber nach Ludwigsburg. Vorpommern hat sich zum Pfingstsonntag schöngemacht.

Der Fahrradweg entlang der Landesstraße endet in Neuendorf, aber dafür sehen wir dort einen Storch, mitten im Dorf, auf einem Horst auf dem alten Lichtmast.

Nur flüchtig auf die Karte geschaut (geradeaus und dann irgendwann rechts) und deshalb zu früh abgebogen und nach Brünzow gefahren. In Brünzow gibt es eine Tankstelle und ein leerstehendes Gutshaus. Wieder zurück und die große Runde über Loissin, Gahlkow und Vierow gemacht. Dort geht der Fahrradweg weiter.

Lubmin ist in etwa wie Heringsdorf, nur um den Faktor 50 kleiner. Abzüglich der Ostsee (der Bodden ist hier aber schon halbwegs tief), zuzüglich eines Küstenwaldes aus Kiefern. Es geht um den Wald, den Geruch, das Licht zwischen den Bäumen. Hinter dem Wald kommt das Kernkraftwerk. Gegenüber auf der anderen Seite des Wassers liegt Mönchgut, dazwischen wühlen Bagger auf schwimmenden Plattformen die nächste Gasleitung nach Russland in den Grund. Lubmin ist das Seebad des kleines Mannes. Hier kommen wir wieder hin.

Auf dem Rückweg eine riesige Rauchwolke über der Stadt und erst langsam, beim Näherkommen, beim Hineinfahren, kann ich abschätzen, wo es brennt. An meinem alten Schulweg, weit weg von zuhause.