Dirk Hesse: Die Lehrerin. Dystopien funktionieren am besten, wenn sie die Gegenwart nur ein bisschen weiterdrehen und so ist es auch hier. Die Dörfer leiden an der Erderwärmung und aufgegebener Infrastruktur, der Staat weicht vor der Kriminalität in der Städten zurück, Sicherheit wird in abgeschlossenen Zonen kommerzialisiert und ansonsten den religiösen Bewegungen überlassen. All das wird aber nur skizziert und angedeutet. Den Kern des Romans bildet die Geschichte einer Frau, die in dieser Welt trotzdem soziale Bindungen eingeht und schließlich mitten im Wald eine Schule eröffnet. Am Ende wird das ihr Leben retten. Ich hoffe auf eine Fortsetzung.

Kjell Hjern: Ein Traum

Ich der Nacht träumte ich von einem alten Freund,
der vor kurzem gestorben war.
Ich saß auf einer Bank und sah auf Hagaplan,
dort, wo die Schulmädchen Brennball spielen,
als er plötzlich den Weg entlangkam,
auf einen Spazierstock mit Silberknauf gestützt,
im Mund eine neue Flor de Brazil.

„Bist du nicht tot“, fragte ich bestürzt,
als er stehenblieb und grüßte.
„Doch“, sagte er und grinste vergnügt,
„aber die Beerdigung ist erst am Samstag.“

Er verabschiedete sich mit dieser geheimnisvollen Miene,
die er stets aufsetzte, wenn man ihn fragte,
wo er den Abend verbringen werde
und er dir vormachen wollte,
er wäre in guter Gesellschaft.

Der Flieder duftete. Bevor er hinter den Bäumen verschwand,
wies er mit dem Stock hoch zum Himmel, der blau und wolkenlos war.
Ich nickte, um zu bedeuten, dass ich längst im Bilde sei.
Er war vollkommen selbstsicher, bis heute frage ich mich,
ob er der Einsamkeit tatsächlich so ausgeliefert war,
wie ich wusste, dass er es sein würde.

Übersetzt nach Kjell Hjern: Kalifens guldfågel (Stockholm 1959)

Hello, Goodbye

Unpopular opinion: Hello, Goodbye ist kein besonders guter Song, nicht viel mehr als ein Refrain und einigermaßen repetitiv. Immerhin haben The Cure ihn mal gecovert und eigentlich hat Robert Smith einen sicheren Musikgeschmack. John Lennon war jedenfalls nicht sehr begeistert und ein bisschen sieht man das auch in diesem Musikvideo, alle vier Beatles wirken seltsam müde und mitgenommen.

Genau bei diesen Filmaufnahmen setzt die Weihnachtsgeschichte ein, die ich im letzten Jahr übersetzt habe. Es handelt sich um ein Kapitel aus Get Back von Donovan Day. Das Buch ist zwar Fanfiction und Selbstverlag, aber die Geschichte ist trotzdem schön: Der Protagonist Lenny entdeckt, dass er mit Hilfe eines alten iPods in der Zeit zurückreisen kann und sucht zu verschiedenen Zeitpunkten die Beatles auf, letztlich um den 8. Dezember 1980 zu verhindern. Unter anderem sitzt er am 10. November 1967 heimlich im Rang des Saville Theatre in London und trifft nach dem Ende der Aufnahmen zu Hello, Goodbye auf John und Paul, die sich sehr für sein kleines Gerät interessieren. Wahrscheinlich ist es keine große Literatur, aber ich fand es unterhaltsam.

Nachtrag

Aus der Übersetzung habe ich wieder (wie schon 2018, 2019 und 2020) ein kleines Büchlein gemacht, das ich gern verschenke. Wer das Heft haben möchte, schreibt mir bitte einfach. Ich freue mich immer über Post.