Mit Dreien

Der Skatabend gestern hat mich 40 Euro gekostet: Einsatz 10 Euro, Gewinn 15 Euro, Saalrunde 45 Euro. Die Saalrunde wurde fällig, weil ich seit dem letzten Turnier Geburtstag gehabt hatte. Die zweite Saalrunde bezahlte jemand, der gerade 90 Jahre alt geworden war, er bekam im Gegenzug einen Präsentkorb. Ich bekam ein freundliches Gemurmel von den anderen Tischen.

In der ersten Runde spielte ich gegen den Mann, der die Skatrunde seit 30 Jahren organisiert hatte. Die Organisation hat er vor einigen Monaten abgegeben, als er krank wurde. Es geht ihm gar nicht gut, das war sehr traurig anzusehen. Vielleicht war es das letzte Mal für ihn.

Im Gegenspiel gegen dieses Blatt zeigte er nochmal, was für ein guter Skatspieler er ist. Ich hatte das Spiel ohne Gegenreizung für 18 bekommen und trotzdem keine Verstärkung im Stock gefunden. Mit den drei oberen Buben muss man 18 sagen, finde ich. Ich überlegte lange, was hier zu tun ist, drückte die Kreuz-Zehn und die Pik-Dame und sagte ein Herzspiel an. Obwohl ich alle Trümpfe auf meine drei Buben bekam, verlor ich das Spiel mit 60 Augen: Auf die Pik-Lusche fielen 21 Augen und das Karo-Ass saß zu dritt dagegen. Hätte ich beide Zehner gedrückt, wäre meine finanzielle Bilanz des Abends deutlich besser ausgefallen. Aber so war es auch gut.

Christoph Hein: Das Narrenschiff. Es ist ein deprimierendes Buch über ein deprimierendes Land, das besonders gut darin war, die Leute kleinzuhalten. Alle Protagonisten sind beschädigt, alle bleiben hinter ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten zurück. Trotzdem habe ich es gern gelesen. Man will den ganzen langen Text über wissen, wie es ausgeht, obwohl das Ende von Anfang an feststeht.

Auf Falster

Am zweiten Tag schiebt der Wind den Nebel, der noch über dem Meer liegt, nach Marielyst hinein. Der kurze Sommer ist wieder vorbei. Von jetzt an wird es jeden Tag kälter.

15 Kilometer Gegenwind am Guldborgsund entlang, dann erreichen wir Nykøbing. Es ist Karfreitag, wir gehen in die Klosterkirche, um uns aufzuwärmen. Das Kirchenschiff ist flach und geheizt. Neben der Handdesinfektion hängt ein dreisprachiges Hinweisschild, auf dem dazu geraten wird, wegen der Brandgefahr einige Zeit vergehen zu lassen, bevor eine Gebetskerze entzündet wird. Wir sitzen in der Kirchenbank. Sanftes Erschrecken, als plötzlich das Licht über dem Altar verlischt: Der Bewegungsmelder in der Kirche ist nicht auf stille Einkehr eingestellt. Die Stadt ist fast ausgestorben, nur die arabischen Gemüsehändler haben geöffnet. Am Hafen finden wir ein Restaurant und sehen auf das Wasser vor dem Fenster hinaus. Rückweg mit Rückenwind.

Am Sonnabend fahren wir nach Gedser. Der Wind hat auf Süd gedreht. Er kommt direkt vom Meer und geht durch alles hindurch, was wir angezogen haben. Der Wartesaal im Fährterminal ist warm. Die Eisenbahnausstellung in der Remise am Hafen hat geöffnet. In einem Schuppen stehen alte Dampfloks, riesige Maschinen aus Stahl, mit stumpfen, schwarzen Körpern wie Walfische, die hier gestrandet sind.

Auf der Rückfahrt am Ostersonntag ist das gesamte untere Deck der Fähre leer, so wenige Autos sind unterwegs. Nur die Fahrradfahrer warten im Bauch des Schiffes darauf, dass sich die Heckklappe im Hafen öffnet. Auf der anderen Seite der Ostsee scheint die Sonne.

Weil ich vor der Reise vergeblich „Welchen Weg am besten mit dem Fahrrad von Gedser nach Marielyst?” gegoogelt hatte: Wir haben alle ausprobiert. Fahrt am besten den Fahrradweg neben der E55 bis Gedesby und von dort ostwärts bis zum Meer hinter Gedesby Strand. Auf dem Deich kann man sehr gut weiter nach Norden fahren.