In einem ungeheizten, fast leeren Kinosaal Arrival gesehen und positiv überrascht worden. Der Film findet schöne Bilder für Zeitphänomene und Außerirdische gleichermaßen und entgeht der Sentimentalitätsfalle bei der tragischen Familiengeschichte, anhand derer die Story ausgebreitet wird. Passend auch, dass das zusammengelegte Puzzle am Ende nicht gezeigt wird. Auf das terroristische Einsprengsel im Raumschiff hätte ich verzichten können, aber das war bei Contact auch schon so. Überhaupt bleiben der Anteil an Military angenehm klein und das Erzähltempo ruhig. Wenig Futurismus, die Protagonisten hocken in einem zugigen Zelt und fahren mit einer klapprigen Hebebühne in das UFO.

Am Ende sind alle beim Abspann sitzengeblieben und haben der Filmmusik zugehört. Ich werde mir mal das Buch von Ted Chiang besorgen.

Santa Cruz

Beim Besuch der kleinen Hauptstadt der kleinen Insel landeten wir mit großem Hunger im Bauch in einem winzigen Restaurant am Berg. Zur einen Straßenseite lag es in der zweiten Etage und zur anderen hin in der ersten. Die Kellnerin wartete, bis alle drei Tische besetzt waren, bat um Aufmerksamkeit und trug dann in einem Sprachgemisch (no menu!) und mit Hilfe ihrer Hände und Füße die Speisekarte des Tages vor (nur einmal!). In der Küche stand ihr italienischer Mann und winkte uns durch eine Glasscheibe zu. Dann setzte sich die Kellnerin an die Tische und ging mit den Gästen die Bestellungen durch. Ich solle doch den Thunfisch nehmen, roh, nur ein bisschen in Zitrone gezogen und dazu Gemüse. Es gab Wein, es gab Suppe, es gab Fisch und Pasta und alles war ganz wunderbar. Durch das offene Fenster waren die Menschen zu hören, die draußen vorbeigingen. Am Tisch neben uns saß ein alter Mann. Die Kellnerin streichelte seinen Arm. Die Leute am dritten Tisch kamen vom großen Kreuzfahrtschiff, das im Hafen lag, fotografierten ihr Essen und versuchten, einen Massagetermin auf dem Zwischendeck zu verlegen, weil es doch länger dauern würde, als gedacht. Als wir endlich aufstanden und uns verabschiedeten, umarmte die Frau mit dem Herz aus Gold E. und gab ihr einen Kuss.

Wenn wir noch einmal dort hinkommen, gibt es den Laden hoffentlich noch. Dann nehme ich den Thunfisch.

Sveg

Wenn du stundenlang durch den Wald fährst, kommt dir jede Siedlung, die mehr als eine Tankstelle hat, wie eine Großstadt vor. So in etwa geht es mir mit Sveg, das am berühmten Inlandsväg 45 durch Schweden liegt.

Sveg hat zweieinhalbtausend Einwohner, drei Tankstellen und wahrscheinlich gibt es im Umkreis von hundert Kilometern trotzdem keine Ortschaft, die größer wäre. Die Stadt liegt an einer Weggabelung – in Richtung Westen geht es ins Gebirge und nach Norwegen, in Richtung Süden kommt man zurück nach Dalarna und an den Siljansee, in Richtung Osten fährt man nach Hudiksvall an die Ostsee und in Richtung Norden geht es nach Norden.

Es gibt also gute Gründe, in Sveg anzuhalten. Die Stadt liegt wunderschön an einem Flusstal, ein paar kleine Straßen mit Holzhäusern, Restaurants, Läden und einem Hotel: wie eine Westernstadt. Deadwood könnte hier spielen oder David Lynchs Twin Peaks. Im Zentrum haben die Leute einen riesigen Bären aus Holz aufgestellt, der nicht zu übersehen ist. Am Stadtrand gibt es eine schmale Eisenbahnbrücke, auf der auch Autos fahren dürfen. Der Zug kommt nur im Sommer und auch nur zweimal am Tag.

Der beste Grund um in Sveg anzuhalten, ist aber das Volkshaus gleich neben dem ICA-Supermarkt am Ortseingang. Nicht wegen der Gaststätte darin, die ziemlich verdächtig aussieht und auch nicht wegen des Ausverkaufs für Textilien, der nun schon mehrere Jahre lang andauert. Wir halten dort immer wegen der wunderbaren Holzreliefs von Thord Vaktnäs, die etwas lieblos im Hausflur an den Wänden hängen. Die Bilder sind ergreifend. Falls ihr mal durch Sveg kommt: Macht eine Pause und seht sie euch an. Den Bären natürlich auch.