Hiddensee

Am Hafen in Stralsund empfängt uns der unfreundlichste Fährmann der Welt. Passagiere mit Fahrrädern gehen zuletzt auf das Schiff. Das Heck steht voller Pedelecs, niemand hat eine Chance gegen deutsche Rentner. Anbaden in Neuendorf, die Junisonne wärmt das flache Wasser, der Nordostwind treibt es auf das Meer hinaus. Viel Wind, auf Hiddensee ist immer zu viel Wind. In der Dünenheide grast eine Schafherde. Am Weg stehen Schilder, die vor den Kreuzottern warnen. Ein Café in Vitte, da wo das Zeltkino war. Auf der Wiese vor Kloster weiden Pferde, so als ob sie jemand in ein Bild hineingemalt hätte. Wir gehen die NVA-Plattenstraße hinauf zum Dornbusch, vom Leuchtturm aus ist Møns Klint zu sehen, gute Sicht heute. Erst nach der Bestellung entdeckt, dass es im Klausner noch immer Ostbrause gibt, das war meine Erinnerung an diesen Ort – draußen im Garten unter einem Schirm zu sitzen und Brause zu trinken. Unten in Kloster ist die Kreuzung, an der es nach rechts zum Hafen geht. Dort auf dieser Kopfsteinpflasterstraße habe ich als Kind einmal meine Eltern verloren, als wir zum Schiff liefen. Wir fahren auf der Ostseite zurück nach Neuendorf, mein Bauch kämpft mit den Bratheringen vom Mittag. Noch einmal Baden, das Wasser ist immer noch kalt. Das Schiff ist voll, die Plätze mit Jacken und Taschen besetzt, so wie Sonnenliegen am Hotelpool mit Handtüchern. The german art of taking seats. Schräg gegenüber sitzt ein Mann mit Kopfhörern. Er hat die Augen geschlossen und trommelt einen vertrackten Rhythmus auf dem Tisch mit, es sieht aus wie Jazz. Der Mann benutzt für seine Musik DAT-Kassetten, die er in einer transparenten Tupperdose mit einem blauen Deckel aufbewahrt.

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