Autor: Stefan

Vor der Bank. Als ich mein Fahrrad anschließe, sehe ich, dass an der Treppe vor der Eingangstür eine Familie steht. Es ist nicht ganz klar, ob sie anstehen oder ob sie auf jemanden warten, vielleicht gibt es inzwischen auch eine Personenbeschränkung für den Raum mit den Geldautomaten, wer weiß. Ich frage nach, ob sie auch hinein wollen und der Mann antwortet, mit einem leichten Akzent: Ja, aber da drinnen sei eine Frau, she’s a little …, sie wolle jedenfalls nicht, dass noch jemand anderes mit ihr im Gebäude sei. Er zuckt mit den Schultern. Wir tragen alle Masken, auch seine kleine Tochter, die vor sich hin tanzt und ein englisches Kinderlied singt. Nach einer Weile kommt die Frau heraus. Bitte schön, sagt sie und der Mann sagt danke schön und dann sagt er leise, dass ja eigentlich sie sich bedanken müsse und nicht er und dann gehen wir rein und holen Geld und der Mann redet dabei weiter vor sich hin, ohne dass ich verstehen kann, was er meint. Have a nice day, sage ich beim Rausgehen, weil ich mich irgendwie für die Situation verantwortlich fühle. Wir sind inzwischen alle mit den Nerven am Ende, denke ich.

McCartney III ist so ein gutes Album: unangestrengt, warm, fließend, absichtslos, sogar Pauls schwindende Stimme funktioniert dazu, vielleicht hat auch sie von der erzwungenen Konzertpause profitiert. Die Platte hat vor allem die richtige Länge, auch das unterscheidet sie von Egypt Station, mit der ich nie richtig vertraut geworden bin. Ich hätte diese Vermarktung deshalb nicht gebraucht, die ganzen Colored Vinyl, die Nummer 1 in den Charts und schon gar nicht ein Tribute Album wie dieses. Ich bin schon so zufrieden.

— Kommentar zu Mumien, Analphabeten, Diebe

Pasewalk

Man braucht einen guten Anlass, um nach Pasewalk zu fahren, aber den hatten wir.

Pasewalk ist eine Stadt aus dem Mittelalter. Die Häuser wurden in den allerletzten Kriegstagen abgeräumt und später durch Neubaublocks ersetzt. Drumherum steht noch die alte Stadtbefestigung.

Trotzdem: der Stadtgrundriss, der Doppelbahnhof, das Ueckertal: Schönheit gibt es überall.

Der Zug fährt nur alle zwei Stunden und wir haben die Fahrräder mit. Im Buchladen besorgen wir uns eine Fahrradkarte und fahren ein Stück voraus. Straßendörfer, die Häuser rot und ein bisschen zurückgesetzt, fast wie in Brandenburg. Das ist noch unser Landkreis, aber es ist nicht mehr Norddeutschland. Unterwegs kaufen wir in einer Holzbude Brot, es schmeckt großartig. Belling, Sandförde, Jatznick und dann noch ein Stückchen durch den Wald bis zur großen Forstsamendarre. Auf dem Bahnsteig gegenüber fährt der Zug nach Ueckermünde ab, hier sind wir schon einmal umgestiegen.

Heimatkunde, Wandertag.