Die Kinder warfen Kastanien in die Luft, die Charles geschickt aufschnappte, dann liefen sie weiter den Parkweg entlang und Martin dachte daran, dass er ja selbst erleben konnte, wie es diesen Kindern später erging, dass es von nun an keine Generationen mehr geben würde, aber dafür eine große Menschenfamilie, die, wenn sie das wollte, für immer zusammenblieb. Dieser Gedanke rührte ihn, er rief Charles zu sich, kraulte ihm das weiche Nackenfell und betrachtete die mächtigen Eichen, die den Parkweg säumten. Diese Bäume waren mindestens zweihundert Jahre alt, sie hatten schon hier gestanden, bevor die elektrische Glühlampe, das Telefon oder das Auto erfunden worden waren. Frauen in Reifröcken und Männer mit Zylindern waren an diesen Bäumen entlangflaniert, an diesen Wächtern der Zeit, deren Bruder er nun geworden war.

Martin Leo skizziert in Wir werden jung sein den Übergang in eine Welt, in der die Alterung der Zellen und damit das Altern des Menschen medizinisch aufgehalten werden kann. Eine Gesellschaft ohne Tod wäre eine Dystopie, aber immerhin würden Zeitreisen in die Zukunft möglich, wenn man unter diesen Bedingungen überhaupt noch von Zukunft sprechen kann. Die Bäume verraten leider nicht, wie das ist.

Auf Brännö bei Göteborg

Ingela Strandberg: Drei Gedichte

Hör darauf
wie sich alles vermischt
Es knackt aus jeder Himmelsrichtung
Der Riss im Fundament
wird größer
Man hört ihn schon lange
doch nicht alles was kaputt geht
lässt sich reparieren

–––

Mein neuer teurer Mantel
ist mit weißer Seide gefüttert
und kämpft mit dem Wind auf meinem Weg
Ich bin ausgekleidet wie ein Sarg
Im Traum spricht die Katze mit mir
durch das Leuchtfeuer
Sie sagt es gibt ein Licht
nördlich der Dunkelheit

–––

Nie war ich glücklicher
als ich im Wasser vor Subbe fyr
den hellen Weg des Heringsschwarms querte
Das brausende Meer
führte mich
Unter mir der Tod über mir die Sterne

Übersetzt nach Ingela Strandberg: Nio dikter (Balder 1/2024). Subbe fyr ist ein Leuchtturm an der schwedischen Westküste.