In der Luft

Nach dem Abpfiff kehren die Möwen ins Stadion heim. Bis zum Hafen sind es 15 Minuten, vier Stunden über das Meer.

Erst kommt das Netz zurück, dann kommt das Land in Sicht, die Straßenlaternen von Sassnitz. Das Schiff entleert sich auf das Fahrzeugdeck. Der einzige Fußpassagier wartet, bis die Gangway heranschwebt und andockt. Das Terminal ist menschenleer.

In der Dunkelheit trägt der Äther die Radiowellen meilenweit. Das wäre eine Nacht für die Mittelwelle gewesen. Währenddessen färbt sich der Himmel hellblau-grau.

Die alte Frau, die hinter einem winzigen Tisch auf dem Barther Marktplatz stand, dort vor der Stadtbibliothek, und Obst und Gemüse aus ihrem Garten feilbot, die mir einen großen Apfel verkaufte mit einer rauen, trockenen Schale, den sie abwog auf einer Tafelwaage, auf der einen Seite der Apfel und auf der anderen Seite die Gewichte, der Apfel kostete nur Pfennige und sie gab mir mit so großem Ernst auf die Mark heraus, meinem Taschengeld für die Woche, dass ich mich noch heute daran erinnern kann.

Trelleborg IV

An diesem Sonntagmorgen sind die Straßen zum Hafen noch menschenleer und der pommersche Himmel weit. In Trelleborg laufen wir bis Övre und fahren mit der 146 weiter nach Malmö. Essen im Vegegården, Hamrelius bokhandel in der Södergatan, Lilla Torget, Stortorget, ein Blick auf den Westhafen und dann zurück.

Die Euphorie vor einem Spiel. Alles ist möglich, heute kann es sich wenden, in der Tabelle ist noch alles dicht beieinander, nur endlich ein Erfolgserlebnis, den Hebel umlegen, den Bock umstoßen, eine Serie beginnen, die uns zurückführt bis in den Europapokal. Ich träume mir den Bus voller Fans, die Straße zum Vångavallen voller Menschen – Inget stoppar Trelleborg!

Neben uns ein alter Mann, der die Vereinshymne stehend mitsingt.

In der Halbzeit frage ich in der Geschäftsstelle nach einem Pin. Sie durchwühlen vergeblich ein paar Kartons und schenken mir dann ein Autotrikot, so etwas, das an der Scheibe klebt. An der Wand hängt das gerahmte Plakat vom Spiel gegen Blackburn Rovers. UEFA-Pokal 1994. Jeder Verein hat so ein Spiel.

Nach dem Schlusspfiff leert sich das Stadion binnen zwei Minuten. Als müsse man nicht Abschied nehmen von so einer Partie.

Die Ostsee riecht hier nach Tang.

In der Nacht fahren wir zurück auf den Kontinent, in der Dunkelheit über das Meer, ein Niemandsland im Halbschlaf, in between. Zu Hause singen schon die Vögel.