Kategorie: Weblog

Trelleborg V

Wir fahren von Lund aus die 108 in die Stadt hinunter, die noch immer vertraut ist, obwohl sich dort in einer fast schon irritierenden Weise eine Menge Kleinigkeiten verändert haben: Der Busbahnhof am Övre ist nur noch ein Parkplatz, seitdem die Busse neben dem neuen Bahnhof am Hafen abfahren. Nebenan in der Hamngatan wurde das Fährterminal für die Fußgänger umgebaut, im Erdgeschoss gibt es jetzt ein Bistro und in der Eingangshalle hängen zwei Gemälde mit Industrieromantik. Der Buchladen in der Algatan ist eine Tür weitergezogen und so klein und dunkel geworden, dass wir ihn beinahe nicht finden. Åhléns hat geschlossen und steht leer. In der Östergatan ist ein Second-Hand-Plattenladen, war der schon immer dort? Ich kaufe Jazz und Ulf Lundell und der Verkäufer wundert sich über den Besuch. Sogar der ICA Maxi an der westlichen Stadtausfahrt wird gerade umgebaut. Doch die Ostsee ist noch da und der Geruch nach faulendem Tang auch und das wird sicher so bleiben.

Badenachweis VI

Østersøen
Opalsøen
Kattegatt
Yddingesjön

Auf Rügen

Hinterher ist alles ganz klein: der Bahnhof Rügendamm, an dem ich ein paar Monate lang aussteigen musste, der Dänholm, auf dem ich marschieren lernte und der alte Rügendamm: der graue Verwandte aus dem Osten neben der neuen Rügenbrücke, die sich klar und gekonnt in den Himmel über dem Strelasund hinaufschwingt.

Am Hohen Ufer in Grahlerfähre ist ein Gemeindefest. Vor der Stadtsilhouette steht ein großes Holzkreuz, es spielt eine Band, Kaffee und Kuchen, Jesus liebt dich. Im Garten der Ausfluglokals sind viele Afghanen, die ihren Weg gefunden haben oder ihren Asylprozess gewinnen wollen oder beides.

Klein Bandelvitz, Gustow, Prosnitz, Sissow, Venzvitz, Glutzow, Üselitz, Mellnitz, Klein Schoritz, Losenitz, Glewitz: Hier wohnten die Slawen, bis die Germanen kamen und sie mitsamt ihren wendischen Gottheiten von der Insel jagten.

Jemand hat das Guthaus in Üselitz gekauft und baut die Ruine wieder auf. Hoffentlich vertreibt er auch die bösen Geister.

Alliteration des Tages: Port Puddemin.

Die große Linde vor der Wallfahrtskirche ist voller Bienen, der ganze Baum klingt von ihnen. Im Gästebuch hat sich vor uns eine Französin eingetragen. Le deuxième juillet 2017. Ich versuche, im Kirchenschiff ein Foto vom Wappen mit den drei Kronen zu machen, aber es ist zu dunkel. Überhaupt sollte man nicht in Kirchen fotografieren, habe ich gelernt. Und nicht klatschen. Immerhin habe ich nicht geklatscht.

1370: Die Zudarer Kirche ist ein beliebter Wallfahrtsort, vermutlich berühmt durch ein als wundertätig geltendes Marienbild (zwei Wallfahrten nach Zudar entsprachen einer Wallfahrt nach Rom)
1372: Ende der Wallfahrten durch den Untergang eines Schiffes mit 90 Pilgern am Palmer Ort vor Zudar. Der Glaube an die Wundertätigkeit des Bildnisses schwindet

Die Wellen auf dem Strelasund haben kleine Schaumkronen. Die Fähre bringt uns sicher zurück auf das Festland. Trotzdem kein Inselgefühl, Rügen ist dafür viel zu groß.

In der Fischbude in Stahlbrode fragt jemand nach Fischbrötchen. Och nö, wenn se Fischbrötchen wollen, müssen se nach vorne zum Kiosk gehen. Sie haben Heilbutt geräuchert. Es regnet, wir sitzen unter einem Dach, essen und sehen auf den Hafen.

Niemand hat die Fahrkarten kontrolliert (Greifswald nach Stralsund, Glewitzer Fähre nach Stahlbrode, Miltzow nach Greifswald).

Nachtrag

Frau arboretum war vor fünf Jahren in Üselitz und hat die Geschichte des Herrenhauses aufgeschrieben, das damals nur noch eine Ruine war. Das Gelände war abgesperrt, so dass man nur ahnen konnte, wie es heute aussieht.