Ich wäre gern in Essen warum

Hin und wieder bekomme ich Post von der minijobzentrale. Die minijobzentrale verwaltet prekäre Arbeitsverhältnisse. Sie sitzt bei der Knappschaft Bahn See in Essen. Früher haben sie wahrscheinlich die Sozialversicherungen der Bergleute, Eisenbahner und Seeleute verwaltet. Früher, als es noch Bergleute, Eisenbahner und Seeleute in Deutschland gab. Als wir noch nicht die Dienstleistungsgesellschaft hatten. Jetzt verwalten sie eben Minijobs. Kleine Arbeit, so nennen sie das.

Ich war noch nie in Essen. Manchmal träume ich davon. Essen muss eine wunderbare Stadt sein. In Essen hat die Deutsche Kommunistische Partei ihren Sitz. Früher muss es dort einmal Kommunisten gegeben haben. Ich stelle mir dann vor, wie die Bergleute, Eisenbahner und Seeleute kommunistische Betriebsgruppen gebildet haben, um etwas für ihre Sozialversicherung zu tun. Ein bisschen bin ich wegen der Seeleute irritiert. Essen liegt ja nicht am Meer. Aber eventuell konnte man auf der Ruhr oder auf dem Rhein-Herne-Kanal Binnenschifffahrt betreiben. Ich weiß nicht, was sie in der Deutschen Kommunistischen Partei jetzt machen. Sie haben einen Twitter-Account, der schon einen Monat lang nicht mehr aktualisiert wurde. Vielleicht macht es ihnen keinen Spaß mehr.

In Essen gibt es einen Fußballverein, der Schwarz-Weiß Essen heißt. Sie haben 1959 den Pokal gewonnen. Das ist fünfzig Jahre her. Schwarz-Weiß spielt jetzt vor 400 Leuten 5. Liga in einem Stadion, das Uhlenkrug heißt. In den Uhlenkrug passen 20.000 Zuschauer. Sie warten auf bessere Zeiten. Ab und zu verschickt der Verein einen Newsletter, der mich zu Tränen rührt. Schwarz-Weiß Essen soll ein bürgerlicher Verein sein, habe ich gelesen. Der Arbeiterverein sei Rot-Weiß Essen im Norden der Stadt. Dort gehen wahrscheinlich diejenigen hin, die früher mal Bergleute, Eisenbahner und Seeleute waren. Wenn sie noch zum Fußball gehen.

Sonst weiß ich aber nichts über Essen.

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