Das ist eine schwierige Frage, um die ich mich immer herumgedrückt habe. Die Antwort ist wahrscheinlich: Ich kenne Dylan nicht. Ich kenne ihn nur ein bisschen.

Im anderen Land, als Kind, hatte ich Kassetten, vom Radio aufgenommen, alles mögliche und ab und zu höre ich irgendwo einen Song und dann denke ich, den kenne ich von den Kassetten, und es ist von Dylan, aber ich wusste nicht, dass es Dylan ist.

Ich verschenke Dylan-Platten an liebe Menschen aus der nächsten Generation, so als ob ich die Fackel weitergeben würde, aber selbst habe ich tatsächlich nur eine einzige: Highway 61 Revisited (die ganz großartig ist). Hauptsächlich deshalb, weil es in der kleinen Stadt nur einen einzigen Plattenladen gibt und dort ist das Fach von Dylan gähnend leer, weil wahrscheinlich immer alles gleich weggekauft wird oder weil niemand Dylan-Platten weggibt oder beides. Alles, was ich von ihm kenne, gefällt mir, aber das ist zugleich das Problem: Der Kerl ist schrecklich produktiv und lebendig, so dass ich wirklich sehr lange brauchen würde, das alles anzuhören und kennenzulernen und das ist schließlich das, was man macht, wenn einem etwas sehr gefällt.

Also habe ich mir gedacht, damit werde ich anfangen, wenn ich 60 bin. Das ist das richtige Alter dafür. Im letzten Jahr hatte ich erstmal das starke Bedürfnis, jetzt alles von den Beatles zu hören und von Lennon und Harrison und die Hälfte von McCartney und vier, fünf Platten von Ringo, bevor ich dazu nicht mehr komme. Und damit bin ich noch nicht ganz fertig und dass Lennon tot ist, habe ich bis heute nicht verwunden. Bei Harrison ist es anders, der konnte seine Sachen zu einem Ende bringen, aber Lennon konnte das nicht. Der hatte gerade wieder angefangen, Starting Over.

Aber Dylan kommt auch noch, versprochen.

– Kommentar zu Samojede

Edith Södergran: Die fremden Länder

Meine Seele liebt die fremden Länder so,
als ob sie kein Heimatland hätte.
Im fernen Land stehen die großen Steine,
auf denen meine Gedanken ruhen.
Ein Fremder schrieb die seltsamen Worte
auf die harte Tafel, die meine Seele ist.
Tag und Nacht liege ich und denke
an Dinge, die nie passiert sind:
Einst hat meine durstige Seele trinken dürfen.

– via Lyrikzeitung & Poetry News

Gemeingebrauch

Am Hauptübergang zum Strand in Trassenheide haben sie ein Häuschen aufgestellt, an dem Eintritt kassiert wird. Die Frau im Häuschen spricht alle Leute an, die einfach vorbeigehen wollen. Wir drehen also um und gehen die Promenade weiter, zum nächsten Strandübergang, nur um dort einem mobilen Mitarbeiter der Kurverwaltung in die Arme zu laufen.

– Haben Sie eine Kurkarte?
– Noch nicht, sage ich. Aber gleich!
– Vier Personen mal zwei fünfzig, das macht dann zehn Euro, sagt er.
– Wir wollen nur kurz an den Strand, sage ich, aber mir ist schon klar, dass das nichts nützen wird.
– Trotzdem, sagt er, und dann, als ob er uns trösten wolle: Die Karten gelten auch den ganzen Tag, auf der ganzen Insel.
– Das glaube ich aber nicht, sage ich mit so viel Bestimmtheit, dass er stutzt und mich fragt, woher ich das denn wisse.
– Ich mache das beruflich, antworte ich etwas vage, aber natürlich habe jede Gemeinde ihre eigene Kurkarte, das sei ja das Verrückte, wenn man nur am Strand langlaufen wolle, so wie wir, müsse man in jedem Ort neu bezahlen.
– Das stimmt schon, aber es gibt so eine Art Abkommen zwischen den Gemeinden, die Kurkarten gegenseitig anzuerkennen, sozusagen inoffiziell, sagt der Mitarbeiter. Auch wenn das eigentlich nicht geht.

Inzwischen habe ich bezahlt. Kurz denke ich darüber nach, ob ich unser Gespräch mit einem Zitat der Landesverfassung fortsetzen sollte: Land, Gemeinden und Kreise schützen und pflegen die Küste mit den Haff- und Boddengewässern. Der freie Zugang zu ihnen wird gewährleistet. Oder mit dem Wassergesetz: Jedermann darf die Küstengewässer unentgeltlich zum Baden und zum Wasser- und Eissport benutzen und hierzu den Strand betreten. Aber es gibt eigentliches nichts Schlimmeres als Juristen, die sich im Alltag als solche zu erkennen geben. Das will niemand. Außerdem mag ich Trassenheide.

In Zinnowitz dann leider keine Kontrollen.