The Cure spielen auf der Parkbühne Wuhlheide. Die Parkbühne ist eine Art ostdeutsche Waldbühne und liegt gleich hinter der Pioniereisenbahn und dem Pionierpalast, die jetzt anders heißen. Wir haben sündhaft teure Tickets Front of Stage und um diesen Vorteil richtig auszunutzen, müssen wir sehr früh da sein, um sehr weit vorn vor der Bühne zu stehen und dann sehr lange zu warten, bis das Konzert endlich anfängt. Es gibt zwei Vorbands. Ich bin kein großer Freund von Vorbands, die auf der großen Musikanlage schlecht abgemischt werden und das Publikum müde spielen. Ich weiß, das ist ungerecht, aber der stupide Bass von Just Mustard ist so laut, dass ich ihn in meinen Eingeweiden spüre — das ist kein schönes Gefühl. Danach kommen The Twilight Sad (mit einem melodischen Bass) und nach drei Stunden Stehen kommen endlich The Cure auf die Bühne. Robert Smith hat abgenommen, macht einen fitten Eindruck und ist gut bei Stimme. Das Keyboard des verstorbenen Perry Bamonte steht an seinem Platz und bleibt unberührt. Simon Gallup ist krank geworden, dafür spielt sein Sohn heute Bass. Wir raten, womit sie anfangen werden, ich tippe auf Plainsong, und so kommt es auch. Etwa bei Burn geht mein Kreislauf in den Keller, bei Play for Today kommt er langsam wieder zurück. Irgendwann höre ich auf, meine Beine zu spüren. Ich denke an die Krankengymnastik und versuche, meine Übungen zu machen: die untere Lendenwirbelsäule stabilisieren, das Becken nach vorn kippen, den kurzen Fuß machen, die Hüfte kreisen. Um mich herum tanzen die Leute, ich falle also nicht weiter auf, wenn ich mich hin und her wiege. Boys Don’t Cry, ich weiß, ich weiß.
Kommentare
An mein erstes „The Cure“-Konzert habe ich mit gute Erinnerung. Sehr gute Live-Band mit viel Erfahrung…
Ja, sie sind eine phantastische Live-Band mit einer überraschend positiven Ausstrahlung.
Hier ein paar Gedankensplitter ohne inneren Zusammenhang:
– „Staring at the sky, staring at the sun“. Bei den Temperaturen der letzten Tage ist der erste von mir assoziierte Song von The Cure „Killing an Arab“, aber der dürfte nicht mehr im Repertoire sein. Eine erklärende Einführung zu dem durchaus missverständlichen Text dürfte länger dauern als der Song selbst.
– Mein Favorit ist aber ohnehin „A Forest“. (Man sieht, ich bin in der frühen Phase stecken geblieben. Sollte sich jemand der hier Lesenden mal ins Ruhrgebiet verirren, sei ihr oder ihm die Ausstellung „Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen empfohlen, läuft noch bis 30.12.26.
– Frontnahe Karten kämen für mich nie in Betracht. Nicht aus Geiz, sondern weil ein Arbeitskollege mal bei Motörhead zu nah an der Bühne und vor allem den Boxen war und seither chronischen Tinnitus hat.
„Killing an Arab“ wurde von The Cure zuletzt 2023 gespielt (das Internet weiß alles), aber als „Killing Another“, damit nicht erklärt werden muss, wer Camus war.
„A Forest“ kommt bei jedem Konzert, weil das Publikum die Keyboard-Melodie mitsingen will. Der Song ist unverzichtbar.