Kurzmitteilungen

Seitdem die Greifswalder Universität in einem quälenden, jahrelangen Verfahren zu ihrem historischen Namen zurückkehrte, ist die Stadt gespalten. Eine seltsame Mischung aus DDR-Nostalgikern, rechtsradikalen Burschenschaften, evangelischen Christen (Ich weiß, woran ich glaube steht im Gesangbuch) und Leuten, die überhaupt gegen Veränderungen sind, kann es nicht verwinden, dass die Universität nicht mehr nach Arndt benannt ist. Den Namen hatte sie zweimal bekommen, erst von den Nazis, dann von der SED. Das sollte eigentlich schon reichen, um ins Grübeln zu geraten.

Jedenfalls ist die Identitätspolitik jetzt im Kommunalwahlkampf angekommen. An der Laternen hängen Plakate mit Wir sind Arndt und weil sie die Straße vor dem Hauptgebäude der Universität schlecht in Arndtstraße umbenennen können (den Straßennamen gibt es schon), wollen sie jetzt ein Denkmal bauen. Es droht etwas ähnliches wie beim Denkmal für Caspar David Friedrich: versteckt auf einem Hinterhof, privat finanziert, mit großer Sponsorentafel und künstlerisch eher fragwürdig. Greifswald ist eben Zentrum und Provinz zugleich.

Außerdem: Es gibt schon ein sehr schönes Denkmal für Arndt. Es steht direkt vor der Universität.

Im Juni 1986 saßen wir in einer Barackensiedlung in einem Wald auf Rügen. Ende der 9. Klasse, GST-Lager, vormilitärische Ausbildung. Tschernobyl war noch immer ein Thema, obwohl wir nicht genau wussten, was dort eigentlich passiert war. Es wurde fast nichts berichtet. Trotzdem lief das Gerücht herum, dass die Reaktoren im Kernkraftwerk Lubmin, nur 20 Kilometer von uns, baugleich seien.

Mein Schulfreund schrieb vor Langeweile den Text von Wolf Maahns Deserteure in sein Arbeitsheft und als der Offiziersschüler, der uns ausbilden sollte, das sah, schrie er ihn an: Ob er überhaupt wisse, was das sei. Dann wandten wir uns alle zusammen wieder der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko zu. Wir hatten keine Ahnung, was los war.

Im Sommer kam dann Tschernobyl (das letzte Signal) von Wolf Maahn heraus. Noch so ein Songtext, den wir auswendig kannten.

– Kommentar zu Wald und Höhle

19.05.2019

Es gibt in der Musikgeschichte wahrscheinlich kein anderes Album, dessen Entstehung so gut nachvollziehbar ist, wie Let It Be von den Beatles. Paul McCartney hatte die Idee, einen Film über die Probenarbeiten von neuen Songs zu machen, die in erster Linie in ein Konzert münden sollten: Nach einem Monat kletterte die Band Ende Januar 1969 auf das Dach ihres Londoner Studios und spielten das berühmte Rooftop Concert. Die Platte war eher eine Art Soundtrack dazu und erschien nach vielen Mühen erst über ein Jahr später, da hatte sich die Band schon längst aufgelöst.

Da jede Note der Proben mitgeschnitten und später fast alles auf unzähligen Bootlegs veröffentlicht wurde, können wir auch hören, was passierte, nachdem George Harrison am 10. Januar 1969 nach einem Streit seinen (später glücklicherweise rückgängig gemachten) Ausstieg erklärte und nach Hause gefahren war: John Lennon schnappte sich seine Gitarre, spielte ein paar Takte A Quick One While He’s Away von The Who, brüllte herum, sagte Okay George, take it! und improvisierte ein knallendes Gitarrenriff. Paul McCartney und Ringo Starr stiegen ein und schließlich nahm sich auch Yoko Ono ein Mikrofon und schrie hinein. Für diesen Moment der Jam-Session war sie Teil der Band.

Das mag ich und ich mag den Gedanken, dass George Harrison, nachdem er zu Hause angekommen war – also fast gleichzeitig – Wah-Wah geschrieben hat. Das klingt ganz ähnlich, auch den Song sollte man besser laut hören.

Nachtrag

Never read the comments, jedenfalls wenn es um Yoko Ono geht. Es gibt kein einziges Video im Internet, unter dem sie nicht mit Hass überschüttet wird, auch wenn sie nur ganz am Rande vorkommt.