Auf dem Rückweg von Hiddensee nach Stralsund lässt der Nordostwind das flache Boot auf den Wellen schaukeln. Ich brauche frische Luft und gehe zum offenen Heck an die Reling. Nach einer Weile kommt ein älterer Mann heraus und stellt sich neben mich. In den Händen hält er eine blaue Tupperdose. Er öffnet sie und wirft eine Handvoll Blütenblätter hinaus auf das Wasser. Eine Weile lang schließt er die Augen, dann geht er wieder hinein.

In Kemnitz bei Greifswald

Zum Südperd

Jede Reise muss ein Ziel haben.

In Lietzow umsteigen. Die Bahnstrecke führt von hier aus direkt am Kleinen Jasmunder Bodden entlang, einen Meter von der Küstenlinie entfernt. Fensterplatz in Fahrtrichtung rechts.

In Binz müssen alle aussteigen. Über die Höhen der Granitz schafft es kein Zug. Die Radtour beginnt mit einer Bergwertung.

Ab Sellin ist die Oberfläche Südostrügens vollständig mit Autos bedeckt. Die Fahrradfahrer werden auf Radwege mit Mindestbreite und aufgeplatzter Oberfläche gequetscht. Alle fahren hochkonzentriert und in Reihe. Verzweifelte Eltern versuchen ihre Kinder vor entgegenkommenden E-Mountainbikes mit gepanzerten Fahrern zu warnen.

An der Straße zwischen Göhren und Lobbe wird eine Zeitreise veranstaltet: ein verfallenes Kinderferienlager, eine Rehaklinik mit grünen Kunststofffenstern, ein niemals fertig gebautes Hotel und serielle Ferienhäuser mit Schilfdach, die Urlaubern mit der Erzählung vermietet werden, sie seien irgendwie ortstypisch, naturnah, angepasst, nachhaltig, was weiß ich.

Der Laden in Thiessow hat noch immer die Bodenfliesen aus schwarz-grauem Stein, auf denen Einkaufswagen mit blockierenden Rädern dieses Kaufhallen-Geräusch machen.

Kurz vor dem Südperd keine Lust mehr, die letzten hundert Meter bis zur geographischen Südspitze Rügens auch noch zu gehen.

Als wir wieder im Zug sitzen, kommt die Sonne heraus.