Sie sind zu viert hinter dem, was man heute Tresen nennt und was früher Ladentisch hieß. Sie bedienen die Laufkundschaft und die Cafébesucher an zwei Schlangen, sie machen den Kaffee am Automaten, sie backen die Brötchen auf und schmieren zwischendurch die Baguettes. Sie haben eine Art Uniform an und man merkt, dass jedes Wort einstudiert wurde: »Und was nehmen Sie zum Kaffee? Darf ich das Brot für Sie schneiden? Möchten Sie noch etwas Süßes für den Nachmittag mitnehmen? Ja? Nein? Sehr gern!« Hinter dem Tresen ist nicht mal ein Meter Platz. Sie laufen hin und her und passen auf, dass sie dabei nichts umwerfen. Es muss schnell gehen und es ist sehr warm, vor allem, wenn die Backofentür heruntergeklappt ist. Eine Verkäuferin verbrennt sich den Arm an der Tür. Für einen Moment sieht es so aus, als würde sie zusammenbrechen. Ihr stehen die Tränen in den Augen, als sie den nächsten Kunden anlächelt. »Nehmen Sie noch etwas Süßes zum Kaffee heute Nachmittag?« Eine Kollegin tröstet sie. Sie hat Narben am Unterarm.
Auf der Rückfahrt von Angermünde sitzt eine schwedische Frau mit ihren Kindern im Abteil. Als wir die Peene überqueren, fängt sie an, ihren Kindern von Schwedisch-Pommern zu erzählen, vom Dreißigjährigen Krieg und von Gustav II Adolf, dem Beschützer der Protestanten. Hier sei 150 Jahre lang Schweden gewesen, sagt sie. Wir gucken versonnen aus dem Fenster, auf den Fluss, auf die großen Speicher und auf das Bootshaus in Faluröd. Der Zug rumpelt über die Brücke. Die Geschichtsstunde ist zu Ende.