Kategorie: Weblog

Im Fotogeschäft

Ich solle nur reinkommen, vier Bilder neun achtzig, gleich zum Mitnehmen, sofort fertig, alles nach Vorschrift und biometrisch, man sehe den Leuten schon in der Tür an, was sie wollten. Nein, er entwickle keine Rollfilme mehr, höchstens mal für die Studenten vom Kunstinstitut, die hätten das noch in der Ausbildung, richtig mit Platten und so. Ob ich denn ein Künstler sei? Die Zeit sei vorbei, das lohne sich nicht mehr, kein Mensch bringe noch Filme ins Labor, die Maschinen, die Chemikalien, alles werde teurer und die Chemikalien kippten so schnell um, wenn man sie nicht benutze, schwarz-weiß ginge ja noch von den Kosten her, aber Farbentwicklung sei ganz schlecht. Nein, auch kein schwarz-weiß mehr. Der Markt breche zusammen, jetzt gerade in diesem Moment, in diesen Wochen, die analoge Epoche sei am Ende und wenn die Maschine das nächste Mal kaputt sei, ginge sie auf den Müll und dann sei endgültig Schluss. Und meinen Apparat könne ich am besten auch gleich wegschmeißen.

Nürnberg

Zonenrandgebiet. Der Druck auf den Ohren, als wir die Frankenwaldbahn fahren. In der Bahnhofsbuchhandlung ein riesiges Regal mit Esoterika. In einem Aufsteller gemeinsam ›Unsere Zeit‹, ›Nationalzeitung‹, ›Rote Fahne‹, ›Deutsche Stimme‹, ›Jungle World‹ und ›Graswurzelrevolution‹. Deutsche Geschichte. Draußen gibt es Würste und Brezeln, Brezeln und Würste. Freundliche Menschen. Auf dem Weg ins Hotel lässig die ›Abendzeitung‹ aus dem Automaten ziehen und in dem Moment wünsche ich mich in Hut und Mantel, im Gehen gleich die erste Seite lesend. Stattdessen stopfe ich sie in die Tasche. Beim Frühstück ein Mann mit seinem Enkelsohn, beide in der Montur vom Club, der am Nachmittag ein Graupenspiel gegen Köln gewinnen sollte, eins zu null im easyCredit-Stadion, aber egal. An der Stadtmauer sind die Penner morgens schon da oder noch. Vor der St.-Lorenz-Kirche der weiße Mann auf einem Podest, die Touristen fotografieren ihn und die Kirche und die Burg und sich selbst, das am meisten.

das war

Sich in den Ecken verkriechen: Antville, Diaspora. Jemanden kennenlernen und jemanden aus den Augen verlieren. Das Glück, als das Lachen plötzlich zurückgekommen ist und der Witz. Den Formen folgen. Die Bilder sehen. Auf den Felsen von Hammarö ins Wasser rutschen. Den Ball über die Linie schreien. Unwichtige Dinge tun, sich irren, zögern, älter werden, langsam sein.