Drei Barbiergeschichten

In Greifswalds Einkaufsstraße, die damals noch Straße der Freundschaft hieß, gab es ein Friseurgeschäft, das von einem sehr alten und außerordentlich kleinen Mann betrieben wurde. Fast meine ich mich zu erinnern, dass er zum Schneiden der Haare oben auf dem Kopf auf einen Schemel steigen musste. Der alte, kleine Mann war ein starker Raucher, nach ein paar Minuten begann die Schere in seiner Hand so stark zu zittern, dass er für ein paar Züge hinter einem Vorhang am Ende des Ladens verschwand, wo auf einem Aschenbecher eine brennende Zigarette bereitlag. Danach kehrte er, ein Pfefferminzbonbon im Mund, zurück und machte weiter. Der Friseur und sein Laden waren irgendwie übriggeblieben und deshalb gingen wir Oberschüler dort hin.

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Als ich noch ein Kind war, ging ich in Barth zum Friseurladen in der Ernst-Thälmann-Straße. Gegenüber der Wand mit den Spiegeln und den Stühlen stand eine lange Bank mit Bezügen aus rotem Kunstleder, auf der ich zusammen mit den anderen Kunden wartete, bis ich an der Reihe war. Dann legten die Friseusen ein blankgescheuertes Brett über die Armlehnen des Friseurstuhls, auf das ich hinaufklettern musste, und lobten meine dicken Haare.

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Der Kosovo-Albaner aus dem Barbershop in der Langen Straße reißt meine Nasenhaare mit Wachs aus und brennt meine Ohrmuscheln aus. Beim Kopfwaschen fragt er, ob das Wasser zu warm sei. Es ist genau richtig.

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