[Schmierzettel, Halbfabrikate, Remixes]

Möglichst beiläufig erwähnt, klingt der Satz Ich habe Post aus New York bekommen schon hinreichend cool, erst recht, wenn der Brief aus 277 Brighton Beach Ave Brooklyn NY kommt.

Ich meine: Brooklyn Baby! Lou Reed! Coney Island!

Okay, unter der Adresse befindet sich dann nur eine etwas verdächtig aussehende russische Apotheke und ich sollte über den grünen Aufkleber auf dem Umschlag wohl besser froh sein, wer weiß, was passiert wäre, wenn der Zoll das Bootleg im Brief gefunden hätte.

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Über uns der Schaum von Hendrik Otremba hatte ich mir mal als Aboprämie ausgesucht, ich weiß nicht mehr, was sonst noch zur Wahl stand, aber ich bin mit meiner Entscheidung ganz zufrieden. Ein dystopisches Roadmovie, das mit der klassischen Eingangsszene eines Detektivromans beginnt: Heruntergekommener Ermittler soll für einen zwielichtigen Mandanten eine schöne Frau beschatten und flieht mit ihr, hier allerdings durch eine postapokalyptische Landschaft. Dystopien machen es dem Autor leicht, er muss nichts erklären – warum der Regen sauer ist, warum es Telefonzellen gibt, warum die Polizei noch arbeitet, Tankstellen aber selten, warum sich die Geographie verändert, alles bleibt offen. Wie die Handlung zustande kommt, woher die Verfolger zum Beispiel wissen, wo unser Pärchen gerade ist, würde ich aber doch gern erfahren haben. Und der Schluss ist eine kitschige Enttäuschung. Trotzdem, die Geschichte entfaltet einen Sog und ist in ihren besten Stellen angenehm poetisch.

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Ich habe noch nie im Ausland gelebt. Kein Austauschjahr, kein Backpacking, kein Work and Travel, kein Auslandssemester, keine Aufbauhilfe in Moldawien, keine UN-Mission, keine Niederlassung in Singapur, kein Sabbatjahr im Outback, keine Elternzeit in Kanada, keine bilinguale Erziehung, keine Immersion, noch nicht mal ein Sprachkurs. Die Stadt nie länger als drei Wochen verlassen und seit drei Monaten gar nicht mehr, eigentlich seit acht, wenn ich Trassenheide nicht mitrechne.

Wie muss es sein, aus einem anderen Land zurückzukommen? Ich mache mir keine Vorstellung davon.

– Kommentar hierzu

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Das ist meine liebste Buchreihe, unerreicht in Konzeption, Gestaltung, Inhalt. Zerfällt bald zu Staub.

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Meine Tonträger katalogisiert. 558 Einträge, aber das stimmt natürlich nicht. Es steht noch eine Kiste mit Schallplatten auf dem Boden und einige Sachen hatte die Datenbank von Discogs nicht. Manche habe ich dort neu eingetragen, bei anderen habe ich es gelassen. Das Eintragen ist etwas mühsam, überhaupt das Bestimmen der genauen Auflage, mitunter musste ich sogar die in die Auslaufrinne gekratzte Matrix abgleichen. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich zwei indische Pressungen im Regal zu stehen habe.

Ein paar Alben habe ich vermisst, von anderen wiederum war ich vollkommen überrascht. Muss ich aufheben, was ich seit 25 Jahren nicht mehr gehört habe? Sowieso die Archäologie: Bestimmte Musikrichtungen nur zu bestimmten Zeiten gekauft und jetzt ist alles unvollständig, fragmentarisch, disparat.

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