[Schmierzettel, Halbfabrikate, Remixes]

Ausgerechnet Anklam wäre mal eine politikwissenschaftliche Untersuchung wert. Eine kleine Nachbetrachtung zu den Wahlen vor zwei Wochen.

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Heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Grand Ouvert bekommen. Und weil mein Blog mein digitales Sportlerheim ist, hänge ich den hier gleich an die Wand (Mittelhand: gajcy1959, Hinterhand: octawia1). Das Spiel ist nur in Vorhand unverlierbar (wenn es schlecht sitzt, kann der Herz-Bube sonst im ersten Stich auf eine Fehlfarbe hin verstochen werden): Ich weiß nicht, ob ich es in einer anderen Position angesagt hätte.

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Den Tag vor den Wahl genutzt, um unsere europäischen Nachbarn zu besuchen. Tatsächlich sind wir die 30 Kilometer Fahrrad vor allem deshalb gefahren, um mal wieder ein Schaschlik zu essen. Swinemünde bringt seine Promenade auf westlichen Standard. Die weiße Holzbude ist verschwunden, aber ein Schaschlik gibt es dort noch immer. Mit einer Quittung.

Auf dem Grenzstreifen bauen sie eine Bühne auf, wahrscheinlich gibt es da morgen ein Europafest oder so etwas. Kaum Wahlplakate auf der polnischen Seite.

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Seitdem die Greifswalder Universität in einem quälenden, jahrelangen Verfahren zu ihrem historischen Namen zurückkehrte, ist die Stadt gespalten. Eine seltsame Mischung aus DDR-Nostalgikern, rechtsradikalen Burschenschaften, evangelischen Christen (Ich weiß, woran ich glaube steht im Gesangbuch) und Leuten, die überhaupt gegen Veränderungen sind, kann es nicht verwinden, dass die Universität nicht mehr nach Arndt benannt ist. Den Namen hatte sie zweimal bekommen, erst von den Nazis, dann von der SED. Das sollte eigentlich schon reichen, um ins Grübeln zu geraten.

Jedenfalls ist die Identitätspolitik jetzt im Kommunalwahlkampf angekommen. An der Laternen hängen Plakate mit Wir sind Arndt und weil sie die Straße vor dem Hauptgebäude der Universität schlecht in Arndtstraße umbenennen können (den Straßennamen gibt es schon), wollen sie jetzt ein Denkmal bauen. Es droht etwas ähnliches wie beim Denkmal für Caspar David Friedrich: versteckt auf einem Hinterhof, privat finanziert, mit großer Sponsorentafel und künstlerisch eher fragwürdig. Greifswald ist eben Zentrum und Provinz zugleich.

Außerdem: Es gibt schon ein sehr schönes Denkmal für Arndt. Es steht direkt vor der Universität.

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Im Juni 1986 saßen wir in einer Barackensiedlung in einem Wald auf Rügen. Ende der 9. Klasse, GST-Lager, vormilitärische Ausbildung. Tschernobyl war noch immer ein Thema, obwohl wir nicht genau wussten, was dort eigentlich passiert war. Es wurde fast nichts berichtet. Trotzdem lief das Gerücht herum, dass die Reaktoren im Kernkraftwerk Lubmin, nur 20 Kilometer von uns, baugleich seien.

Mein Schulfreund schrieb vor Langeweile den Text von Wolf Maahns Deserteure in sein Arbeitsheft und als der Offiziersschüler, der uns ausbilden sollte, das sah, schrie er ihn an: Ob er überhaupt wisse, was das sei. Dann wandten wir uns alle zusammen wieder der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko zu. Wir hatten keine Ahnung, was los war.

Im Sommer kam dann Tschernobyl (das letzte Signal) von Wolf Maahn heraus. Noch so ein Songtext, den wir auswendig kannten.

– Kommentar hierzu

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