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Auf dem Makruk-Server

In Südostasien werden verschiedene lokale Schachvarianten gespielt. Am größten ist wahrscheinlich Xiangqi, das chinesische Schach (象棋), das in Vietnam sehr verbreitet ist. Danach folgt Makruk, das ist das thailändische Schach (หมากรุก). Makruk ist nicht sehr weit vom westlichen Schach entfernt. Es wird auch mit Figuren auf einem Brett mit acht mal acht Feldern gespielt. König, Turm, Springer und Bauer funktionieren identisch. Der größte Unterschied ist die Dame, die wie in allen ursprünglichen Schachvarianten die schwächste Figur ist und nur ein Feld weit diagonal zieht.

Das Schach in Kambodscha (អុកចត្រង្គ) heißt Ouk Chatrang oder Ok und ist mit Makruk fast deckungsgleich. Es unterscheidet sich vom thailändischen Schach nur dadurch, dass zwei zusätzliche Anfangszüge erlaubt sind: Der König kann in seinem ersten Zug eine Art kleine Rochade machen und wie ein Springer zur Seite ziehen. Die Dame (und damit nähern wir uns dem Thema) kann mit ihrem ersten Zug zwei Felder nach vorn ziehen, sobald der Bauer dort nicht mehr steht. Das Ganze dient nur der Zeitersparnis, auch beim Makruk ziehen König und Dame in der Regel dorthin, allerdings mit zwei Zügen.

Es gibt einen einzigen Server, auf dem man Makruk spielen kann und offenbar hatte sich neulich auch ein Kambodschaner dorthin verirrt, wie sein Handle khmerstronger unschwer vermuten lässt. Das dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, dass er hier den Bauern auf c3 mit Sf4-e2 deckte, was das hübsche Stickmatt Sd5-e3 erlaubte. Ich sah bildlich vor mir, wie in Phnom Penh ein armer Kerl vor dem Rechner saß und vergeblich De1xe3 zu ziehen versuchte.

Die nächste Partie gegen ihn habe ich dann verloren.

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Thomas Tidholm: Wir waren die Letzten

In der Zeitung stand was
über uns. Wir waren die Letzten
die dort Pilze gesammelt hatten
oder das Wasser getrunken, oder was das nun war. Wir waren
die Allerletzten, die dort ein Eichhörnchen gesehen hatten
Aber das war nur ein Zufall
Sollte nur was holen
Das Haus hatten wir geerbt. Es war
grün. Es brannte später ab
Wir waren selten da. Nordlage, keine Sonne
Aber es kam einer von der Zeitung und fragte
danach, welches Jahr, und wo genau
Es fiel uns nicht mehr ein. Die Eichhörnchen
sind jetzt wohl ausgestorben. Auf dem Foto
sieht man uns an eine Holzwand lehnen
aber das war an einem anderen Haus
Wir sehen gut aus, gesunde Gesichtsfarbe
Jetzt sind wir weg und das Grundstück ist
an eine Firma verkauft. Den Ausschnitt habe ich noch
Meine Schwester ist übrigens tot. Wir haben nie verstanden
wer ihnen den Tipp gab

Übersetzt nach Thomas Tidholm: Vi var de sista (Provins 3/2017)

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Etwas über Kühltruhen

Kühltruhen waren schwer zu bekommen. Das merkte ich, als mein Vater eines Tages plötzlich mitten auf der Straße das Auto wendete, um ein Pferdefuhrwerk einzuholen, das eine Kühltruhe geladen hatte. Mein Vater war ziemlich aufgeregt. Woher er die Kühltruhe denn hätte? Aus dem Kaufhaus in der Ernst-Thälmann-Straße.

Ich erfuhr binnen kürzester Zeit, dass es für Kühltruhen eine Warteliste gab wie für Autos, dass wir inzwischen ganz oben auf der Liste standen und dass die Kühltruhe auf dem Fuhrwerk deshalb eigentlich jetzt unsere Kühltruhe sein müsste. Kühltruhen waren offenbar fast so wertvoll wie ein eigener Telefonanschluss. Mein Vater fuhr deshalb sofort zum Kaufhaus und machte Druck (wie man so sagt) und ein paar Tage später hatten wir dann auch eine Kühltruhe. Wir hatten dann sogar ein Gerät, mit dem man die Folien um das Gefriergut herum verschweißen konnte, um dem gefürchteten Gefrierbrand zu entgehen. Auf der Folie wurden Inhalt und Datum vermerkt und auf der Unterseite des Deckels der Kühltruhe waren Piktogramme, von denen man ablesen konnte, wie lange die Sachen gewöhnlich haltbar blieben. Trotzdem: Was ganz unten lag, hatte es schwer, nicht in Vergessenheit zu geraten. Wie überall.

Das einzige Problem von Kühltruhen ist, dass sie ziemlich groß sind. Die Kühltruhe passte nicht in die Wohnung und stand deshalb zwei Stockwerke höher auf dem Treppenabsatz vor dem Dachboden. Ab und zu wurden wir hochgeschickt, um etwas aus der Truhe zu holen, was nicht immer leicht zu finden war. In einer Kühltruhe sieht nach ein paar Monaten nämlich alles ähnlich aus.

Inzwischen ist es kein Problem mehr, eine Kühltruhe zu kaufen, aber ihre Bedeutung geht stark zurück. Ich denke, das hängt mit der Überproduktion und dem Niedergang der Vorratswirtschaft zusammen. Und mit deren Größe natürlich. Unsere neue Kühltruhe auf Westniveau stand darum zuerst im Badezimmer neben dem Waschbecken und seit dem letzten Umzug ist sie im Keller. Sie verbraucht eine Menge Strom. Wir haben deshalb den Stecker rausgezogen.

Braucht vielleicht jemand eine Kühltruhe?

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