[Schmierzettel, Halbfabrikate, Remixes]

Sommergrippe. Ich verbringe die Tage damit, auf Youtube großen Jungs zuzugucken, die vor ihren riesigen Schallplattenregalen sitzen und versuchen, Ordnung in die Dinge zu bringen: die 10 besten Bowie-Songs, alle Soloalben der Beatles from least to best, wie würde das perfekte White Album aussehen, das auf zwei Seiten eingekürzt ist und so weiter.

Lennon oder McCartney war für mich immer Lennon und so habe ich 30 Jahre lang RAM übersehen. Kam heute mit der Post. Unfassbar. Und Harrison gibt es wohl auch noch.

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Mit diesen Sätzen eröffnete Niklas Luhmann 1968 den ersten Jahrgang der Zeitschrift »Die Verwaltung«:

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Als ich auf dem Heimweg in die Domstraße einbiege, beschleunigt hinter mir heftig ein Auto. 60 ... 70 ... er zieht links vorbei. Vor dem Universitätsgebäude erwischt er fast den kleinen Jungen, der auf einem Kinderfahrrad leicht schwankend hinter seiner Mutter herfährt. Die Mutter rudert mit dem Arm und bedeutet ihrem Sohn, direkt hinter ihr zu bleiben, dicht vorbei an den parkenden Autos auf der rechten Straßenseite, in denen glücklicherweise gerade niemand die Fahrertür aufreißt. Im Augenwinkel Kinder, die mit den Füßen im Brunnen auf dem Rubenowplatz stehen und uns nachsehen.

Mein Puls beschleunigt auch und ich fahre dem Auto hinterher, die ganze Domstraße entlang, rechts in die Fleischerstraße, links in die Rakower Straße. Er ist schnell, doch ich behalte Sichtkontakt. Ich überlege, was ich mache, wenn er in die Tiefgarage fährt, aber er biegt in Richtung Markt ab und dann in die Mühlenstraße und das ist eine Sackgasse. In der Mühlenstraße steht ein Lieferwagen, das Auto kommt dahinter zum Stehen. Drei Jungs, der Fahrer mit Sonnenbrille. Ich klopfe, er lässt das Fenster runter.

– Alter, du hättest vorhin fast den Jungen mitgenommen! Das ist eine Fahrradstraße! Fahrradstraße, 30, Fahrräder von beiden Seiten! Das ist doch Scheiße!

Ich fuchtele herum und zeige immerzu drei Finger hoch, so als ob er nicht wüsste, was 30 ist.

– Ja, habe ich auch schon gemerkt. Tut mir leid.
– Okay. Nächstes Mal. Alles gut.

Ich fahre nach Hause.

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Der Mann am Nebentisch, der leise die ägyptische Nationalhymne mitsingt, unmerklich fast, nur die Lippen bewegend.

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Beim Aussortieren meiner Schachbücher fiel mir die Sammlung leichter Schachaufgaben in die Hände, ein Reclam-Heftchen, das Jean Dufresne 1881 herausgegeben hatte. Ich habe das Buch vor einiger Zeit geschenkt bekommen. Es ist zusammen mit dem Zweiten Theil von 1882 in einen festen Umschlag eingebunden und hat wahrscheinlich diesem Umstand zu verdanken, dass es noch nicht vollkommen zu Staub zerfallen ist.

Die Widmung Ostern 1936 ist bemerkenswert. Jean Dufresne war Jude, aus seinem sehr bekannten Lehrbuch des Schachspiels wurden in den 1941 und 1943 erschienenen Auflagen die Namen aller jüdischen Spieler (selbst die des einzigen deutschen Schachweltmeisters Emanuel Lasker!) gestrichen. Diese Barbarei betraf auch den mecklenburgischen Juden Bernhard Horwitz, der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Weltspitze gehörte und bis heute vor allem als Schachkomponist bekannt geblieben ist.

So ein Buch gehört natürlich nicht in die Papiertonne. Ich steckte es ein, als ich zum Spielabend meines Schachvereins ging und wir hatten viel Freude mit dieser Miniatur:

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