[Schmierzettel, Halbfabrikate, Remixes]

Brighton Rock

Zu meinen liebsten Stücken von Morrissey zählt zweifellos Now My Heart Is Full und das nicht nur wegen der Titels, auf den ich besser hätte hören sollen. Neulich habe ich endlich nachgeschlagen, worauf sich die Zeile

Dallow, Spicer, Pinkie, Cubitt

eigentlich bezieht: auf die traurige, brutale, verzweifelte Gang in Graham Greenes Roman Brighton Rock. Es gibt wahrscheinlich nicht viele Songs, in denen ein Buch empfohlen wird. Zur Buchhandlung und später beim Lesen an dieser Stelle hängengeblieben. Pinkie versucht gerade, das Mädchen Rose zu heiraten, um sie als Zeugin auszuschalten. Als seine Ehefrau müsste sie nicht gegen ihn aussagen.

At the bottom of the steps the Boy waited. The big municipal building lay over him like a shadow – departments for births and deaths, for motor licences, for rates and taxes, somewhere in some long corridor the room for marriages. He looked at his watch and said to Mr Prewitt, »God damn her. She’s late.«
Mr Prewitt said, »It’s the privilege of a bride.«

Gebühren und Steuern, rates and taxes, wie passend. Überhaupt Brighton – Nick Cave, Phillip Boa, Sussex County Cricket Club. Würde ich gern mal hin.

Jetzt muss ich nur noch den Film sehen.

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Ich hatte zu Hause meine Mütze vergessen und mir auf Bornholm eine neue gekauft und die habe ich dann auf Bornholm vergessen und nun ist alles wie am Anfang.

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Auf dem Karl-Marx-Platz steht seit einiger Zeit ein Kunstwürfel, der in der Dunkelheit eines Novembernachmittags wie ein verirrtes Raumschiff leuchtet. Gerade wird dort eine Installation von Krzysztof Sikorski gezeigt, die Europa heißt. Europa lebt davon, dass wir miteinander sprechen, uns unterscheiden und respektieren, schreibt er. Das klingt etwas pathetisch, denke ich, aber gilt wohl für alle, die sich an einen Tisch setzen und gemeinsam etwas essen wollen.

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Dame scheint aufgehört zu haben. Als Kind habe ich noch Dame gespielt. Die Steine waren in jeder Spielesammlung, dazu gab es ein Brett aus Pappe, auf der einen Seite Dame, auf der anderen Mühle. Alle konnten Dame spielen, die Regeln sind ja bemerkenswert simpel (was nichts bedeuten muss: Go hat noch einfachere Regeln und ist das schwierigste Spiel der Welt).

In Wirklichkeit sind die Dame-Regeln auch gar nicht simpel, sondern bei globaler Betrachtung eher chaotisch. Es gibt, die beiden Begriffe draughts und checkers deuten es schon an, jede Menge unterschiedlicher Varianten: Dürfen die Steine auch rückwärts schlagen? Darf die Dame nur ein Feld weit ziehen oder so weit sie will? Muss sie direkt hinter dem geschlagenen Stein landen? Wird ein Stein unterwegs verwandelt, wenn er in einer Schlagfolge die gegnerische Grundreihe erreicht und sofort (rückwärts) weiterschlägt? Muss man den Zug wählen, der die meisten Steine schlägt? Und wie groß ist das Brett überhaupt?

Eine Recherche in meinem Bücherregal ergab eine einzige Quelle zum Damespiel (siehe oben) und die kann ich inzwischen nur noch eingeschränkt verwenden:

Die deutsche Variante ist nämlich ausgestorben.

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Heute kam [1] eine dicke Box mit dem remasterten White Album. Ich hatte ein bisschen überlegt, ob ich die Esher Demos dazu wirklich brauche, aber ja, richtige Entscheidung, wunderbare Aufnahmen.

[1] Mit der Post. Ich hätte gern einen Plattenladen in der Stadt, doch leider.

Nachtrag

Wald und Höhle erzählt hier mit Musikerohren seine eigene Albumgeschichte.

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