[Schmierzettel, Halbfabrikate, Remixes]

Wenn ich darüber nachdenke, was mich am Fußball faszinierte, war es nicht das Spiel selbst. Das Spiel ist vergleichsweise kurz, nicht besonders komplex und nur selten spannend oder schön. Faszinierend war, was neben dem Spiel passierte: die Erwartung, die Vorbereitung, die Fahrt zum Stadion, der Platz, die Stufen, die Tribüne, das Singen, die anderen Zuschauer, das Geschrei, die Erleichterung danach oder die Verzweiflung und die Fahrt zurück, die Nachbesprechung. Allmählich entstand die Erkenntnis, dass es auf Dauer nicht gesund für mich ist, meine Stimmung an das Abschneiden einer Fußballmannschaft zu binden, auf die mich Herkunft, Wohnort oder plötzliche Liebe geworfen hatten. Seitdem geht es besser. Es muss so etwas wie Freundschaft sein oder Sympathie oder Interesse, und nicht bedingungslose Treue.

– Kommentar hierzu

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Lubmin

Der Blick die Wiesen hinunter über die Dänische Wiek hinüber nach Ludwigsburg. Vorpommern hat sich zum Pfingstsonntag schöngemacht.

Der Fahrradweg entlang der Landesstraße endet in Neuendorf, aber dafür sehen wir dort einen Storch, mitten im Dorf, auf einem Horst auf dem alten Lichtmast.

Nur flüchtig auf die Karte geschaut (geradeaus und dann irgendwann rechts) und deshalb zu früh abgebogen und nach Brünzow gefahren. In Brünzow gibt es eine Tankstelle und ein leerstehendes Gutshaus. Wieder zurück und die große Runde über Loissin, Gahlkow und Vierow gemacht. Dort geht der Fahrradweg weiter.

Lubmin ist in etwa wie Heringsdorf, nur um den Faktor 50 kleiner. Abzüglich der Ostsee (der Bodden ist hier aber schon halbwegs tief), zuzüglich eines Küstenwaldes aus Kiefern. Es geht um den Wald, den Geruch, das Licht zwischen den Bäumen. Hinter dem Wald kommt das Kernkraftwerk. Gegenüber auf der anderen Seite des Wassers liegt Mönchgut, dazwischen wühlen Bagger auf schwimmenden Plattformen die nächste Gasleitung nach Russland in den Grund. Lubmin ist das Seebad des kleines Mannes. Hier kommen wir wieder hin.

Auf dem Rückweg eine riesige Rauchwolke über der Stadt und erst langsam, beim Näherkommen, beim Hineinfahren, kann ich abschätzen, wo es brennt. An meinem alten Schulweg, weit weg von zuhause.

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Was schön war

1) Mit dem Fahrrad aus Wieck frischen Brathering holen. Brathering essen.

2) Im Pommerschen Landesmuseum das Alice Hernqvist Kvintett hören. Ich bin sehr dankbar, dass hier der Nordische Klang ist.

3) Eine Kugel Safran-Kardamom, eine Kugel Schokolade-Schafskäse.

4) Yorkshire gewinnt gegen Essex nach 50 all out im ersten Innings. Ich muss unbedingt mal zum County Cricket, solange es das noch gibt.

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Recht unerwartet begegnete mir heute in der Gerichtsbibliothek ein brauchbares Lebensmotto. Law is poetry.

– aus: Stöber: Zwangsversteigerungsgesetz, 21. Auflage 2016, § 91 Anm. 4.6

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Stumm aus freiem Willen Der Fischer Anders Ålander aus Norfjärden, Gnarp, 55 Jahre alt, war bis vor etwa zehn Jahren ein gewöhnlicher Mensch, redsam und bei gesundem Verstand. Dann begann er in sich gekehrt und grüblerisch zu werden, still und wortkarg. Nach dem Grund gefragt erklärte er, dass es Sünde sei, mehr als ja und nein zu sagen. Und dabei blieb es. Seitdem sind zehn lange Jahre vergangen; Frau, Kind und zwei Brüder haben währenddessen jeden Tag mit ihm zusammengelebt, ohne von ihm mehr zu hören als ein gemurmeltes Ja oder Nein. Und trotzdem ist er beim Fischen dabei, rudert mit den anderen auf den See, knotet im Winter mit großem Geschick Schlingen und Netze. Stets und ständig steht er aber den halben Tag am Fenster und schaut hinaus, vor sich hin murmelnd.

– aus: Jämtlandsposten 1886, via Kungörelser

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