Sprachen

Es gibt zum Beispiel dieses Ding mit der Uhrzeit. Ich habe als Kind viertel und dreiviertel gelernt. Mir scheint das auch logisch zu sein: drei, viertel vier, halb vier, dreiviertel vier, vier. Es sagt doch auch niemand halb nach drei oder halb vor vier. Aber als die neue Ordnung kam, kamen viele Leute, die nicht wussten, was viertel vier und dreiviertel vier bedeutet und seitdem sage ich immer häufiger auch viertel nach drei und viertel vor vier. Wenn einer A sagt, aber auch B verstehen kann und der andere B sagt und nicht weiß, was A bedeutet – dann sagt man eben B. So geht das. Man will sich ja (oder halt?) verstehen.

So ging das mit vielen Sachen. Über Nacht gab es keine Plaste mehr, sondern Plastik (ich weiche bis heute auf das Wort Kunststoff aus). Auf einmal hatten die Häuser auf dem Darß nicht mehr Rohr oder Schilf auf den Dächern, sondern Reet, so wie in Schleswig-Holstein. Die Kinder gingen nicht mehr in der Kindergarten, sondern in die Kita. Den Kindergarten hat 1840 der Thüringer Friedrich Fröbel erfunden. Der Begriff ist als Lehnwort in acht Fremdsprachen gewandert. Kita ist dagegen die Abkürzung eines Rechtsbegriffs aus dem Sozialgesetzbuch. Wir sagen jetzt Kita. Kindertagesstätte. Ein Verwaltungswort, schön sachlich. Das passt zu uns.

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