Im Schach hieß eine solche Gemengelage Zugzwang, fügte J. hinzu und stand auf. Der Begriff bezeichnete einen vertrackten Zustand, der manchmal in einer Partie eintreten konnte. Ganz gleich, wie der Spieler sich verhielt, es gab keinen vorteilhaften Zug, keine erfolgreiche Technik. Sämtliche Möglichkeiten waren erschöpft. Gleichwohl musste er einen Zug machen, da das Regelwerk ihm nicht erlaubte, darauf zu verzichten.

– aus: Aris Fioretos: Die dichte Welt, Sinn und Form 5/2017

Zugzwang ist ein Germanismus, der es in viele Sprachen geschafft hat, wahrscheinlich im Gefolge der erstmaligen Verwendung des Begriffs durch den (einzigen) deutschen Schachweltmeister Emanuel Lasker in seinem Lasker’s Chess Magazine (1905). Wenn man Fioretos präzisieren möchte: Zugzwang bedeutet, dass jeder Zug die eigene Stellung nicht nur nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert. Aber vielleicht hat J. das auch ungenau mitgeteilt. Es tut dem Essay keinen Abbruch.

Schachhistorisch erschöpfend ist wie immer Edward Winter.

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